Die Frage ist nicht, ob gebaut wird, sondern wie schnell man die richtigen Entscheidungen trifft
In den Niederlanden besteht ein großer Bedarf an neuen Wohnungen, während der verfügbare Raum begrenzt ist und die Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Klimaanpassung, Mobilität und Lebensqualität steigen. Die Entwicklung eines Wohnungsbauprojekts dauert im Durchschnitt zehn Jahre. Davon entfallen nur zwei bis drei Jahre auf die eigentliche Bauzeit.
Die meiste Zeit geht in der vorangehenden Phase verloren, die durchschnittlich acht Jahre dauert: von der Initiative bis zur Verabschiedung eines Flächennutzungsplans oder der Erteilung einer Umweltgenehmigung. Eine Beschleunigung der Gebietsentwicklung beginnt mit einer intelligenteren Gestaltung der Vorbereitungsphase. Durch eine digitale und ganzheitliche Herangehensweise an die Prozesse lässt sich diese entscheidende erste Phase beschleunigen, wodurch früher ein solides Fundament für die weiteren Phasen geschaffen wird.
Die Komplexität der Gebietsentwicklung
Die Gebietsentwicklung ist ein vielschichtiger Prozess. Dabei geht es nicht nur um geeignete Standorte oder die Marktnachfrage, sondern auch um die finanzielle Machbarkeit, politische Rahmenbedingungen, Bürgerbeteiligung sowie Untersuchungen zu Boden, Lärm und Ökologie. Zudem sind zahlreiche Akteure beteiligt: Gemeinden, Provinzen, Wasserverbände, Bauträger, Berater und Anwohner.
In der Praxis verlaufen Prozesse oft linear und sektorbezogen: Zunächst werden die Ausgangspunkte festgelegt, dann werden Berechnungen angestellt, anschließend werden Entwürfe angefertigt, geprüft und abgestimmt. Jeder Schritt erfordert eine Bewertung und Entscheidungsfindung. Dieser traditionelle Prozess kostet Zeit, viel Zeit, und ist eine wesentliche Ursache für die langen Durchlaufzeiten.
Die Verzögerung liegt vor den Verfahren
Untersuchungen zeigen, dass Verzögerungen selten durch die rechtlichen Verfahren selbst verursacht werden, sondern vor allem durch den Prozess, der diesen Verfahren vorausgeht. Die Ziele häufen sich, die Rahmenbedingungen sind nicht immer klar und die Kapazitäten sind oft begrenzt. Personalmangel, fehlendes Fachwissen und mangelnde Erfahrung mit den Abläufen sowie eine Diskrepanz zum politischen Rhythmus führen dazu, dass Projekte länger dauern als nötig.
Digitalisierung als Grundlage
Um diesen Prozess zu beschleunigen, ist eine andere Arbeitsweise erforderlich. Die Digitalisierung bildet die Grundlage für eine ganzheitliche Gebietsentwicklung. Durch die Erstellung einer digitalen Darstellung des Gebiets, der „digitalen Realität“, können Daten aus verschiedenen Quellen direkt zusammengeführt und zentral verwaltet werden.
Boden, Lärm, Luftqualität, Ökologie, Kabel und Leitungen sowie politische Rahmenbedingungen werden in einer einzigen Umgebung integriert. Das verhindert, dass Informationen manuell gesammelt und neu interpretiert werden, und stellt sicher, dass alle Beteiligten mit denselben aktuellen Daten arbeiten.
Szenarien und Prüfungen in einer Umgebung
Mithilfe von parametrischem Entwerfen und Algorithmen lassen sich Pläne automatisch anhand geltender Rahmenbedingungen prüfen. Was bedeutet eine höhere Bebauungsdichte für die Parkplatzsituation, die Lärmbelastung oder die finanzielle Machbarkeit? Inwiefern steht ein alternatives Programm im Einklang mit den politischen Zielen? Szenarien können schnell durchgerechnet und visuell dargestellt werden, wodurch ein unmittelbarer Einblick in die Folgen von Entscheidungen entsteht. Dadurch können Entscheidungen schneller und fundierter getroffen werden.
Paralleles Arbeiten und Transparenz
Die Digitalisierung ermöglicht es, Prozesse gleichzeitig statt nacheinander durchzuführen. Berechnungen, Entwürfe, Untersuchungen und die Einbindung der Beteiligten können nun Hand in Hand erfolgen. Die Beteiligten haben Zugriff auf dieselben Informationen und können leichter aus fundierten Szenarien auswählen. Dies erhöht sowohl die Geschwindigkeit als auch die Transparenz und das Vertrauen zwischen den Parteien.
Kapazitäten effizient nutzen
Die Digitalisierung hilft zudem bei der Bewältigung von Kapazitätsengpässen. Durch die Erfassung von Wissen in digitalen Modellen und Prüfregeln werden routinemäßige Bewertungen automatisiert. Die knappen Kapazitäten können dann für komplexe Abwägungen und administrative Entscheidungen genutzt werden. Die Entscheidungsfindung wird besser vorbereitet, da die Entscheidungsträger bereits vor Beginn formeller Verfahren Einblick in die Auswirkungen verschiedener Varianten erhalten.
Datengesteuerte Beschleunigung als strategischer Vorteil
Bei der Beschleunigung der Gebietsentwicklung geht es nicht nur um schnellere Verfahren, sondern um eine intelligente Gestaltung der gesamten Vorbereitungsphase. Indem man von der ersten Initiative an ganzheitlich und datengesteuert arbeitet, verkürzt man die Durchlaufzeit, verringert das Risiko von Verzögerungen durch sich ändernde Umstände und senkt die Ausfallkosten. Die Digitalisierung macht es wirklich möglich, Bereiche miteinander zu verbinden und auf der Grundlage einer einzigen aktuellen Informationsquelle zusammenzuarbeiten.
Gemeinsam an der Gebietsentwicklung arbeiten?
Jedes Stadtentwicklungsprojekt ist anders und erfordert einen Ansatz, der auf die örtlichen Gegebenheiten zugeschnitten ist. Wir beraten Sie gerne dabei, wie Sie Ihre Projekte übersichtlich und umsetzbar gestalten können. Kontaktieren Sie uns unverbindlich.
Niels van de Graaf
Marktmanager für den öffentlichen Sektor
Stefan Lijst
Unternehmensberater